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Gemeinsame Ausstellungen mit Werken zweier Künstler oder Künstlerinnen oder von einer Künstlerin und einem Künstler sind keine Seltenheit. Häufig sehen wir dann eine Aufstellung, in der beide Kunstgegenstände mehr oder weniger gefühlvoll miteinander kommunizieren, oder aber die Kunstwerke wirken separat und abgesondert, stehen zueinander ohne echte oder formale Beziehung und zeigen sich am selben Ort und im gleichen Moment als zwei eigenständige Ausstellungen. Ein anderes Extrem sind Künstlergruppen wie zum Beispiel IRWIN oder Künstlerpaare wie Gilbert&George, die jedes Werk mit gemeinsamen Namen versehen, als ob es sich um ein Markenzeichen handeln würde. Eine ganz besondere Wirklichkeit entsteht jedoch, wenn zwei Künstler in Verbindung treten, die sonst individuell arbeiten und nun ein gemeinsames Kunstwerk planen und ausführen. Vielleicht ist dies vergleichbar mit interdisziplinären Projekten, bei dem verschiedenste Menschen bei der Umsetzung von zuvor gesetzten Zielen mitwirken und mit ihren spezifischen Wissen nach Lösungen suchen. Die Künstlerinnen Cordue und Nina Koželj leitete der Wunsch zusammen ein gemeinsames Kunstprojekt zu verwirklichen. Der schöpferischer Ansatz ist bei beiden andersartig, ebenso die Themen, mit denen sie sich beschäftigen. So ist bei den Werken von Nina Koželj der Humor ein Leitmotiv, der mit der Phantasie des Betrachters mitunter ungewöhnliche Spiele treibt. Dem gegenüber widmet sich Cordue gesellschaftlichen Problemen, wenn sie z.B. in ihren Bildern Tafelrunden vor mehr oder weniger gefüllten Tellern darstellt oder ihre Kunstwerke entsprechend dem tatsächlichen Gewicht als „Kunst pro Gramm“ anbietet.

Cordue errichtete auf dem Stadtmarkt von Kamnik eine schlichte Kulisse, die ein Häuschen mit Fenster darstellte, hinter dem sie, einer Wahrsagerin gleich, dem vorbeigehenden Publikum nicht die Zukunft offenbarte, sondern sich dem gelebten Leben der Passanten widmete. Sie motivierte die Teilnehmer ihre Lebensgeschichten zu erzählen insbesondere aber noch dazu, das eigene Glücksempfinden ihrer gelebten Leben zu bewerten und aufzuzeichnen. Cordue schrieb die Lebensgeschichten auf und zeichnete die verschiedenen Glückswerte in Form eines Liniendiagramms auf Papier. Nina Koželj goss Frauenköpfe in Beton und stellte diese auf einen Baumstammtorso, den sie mit weiblichen Brüsten versah und darunter eine rechteckige Nische aushöhlte. Die Form für die stilisierten und ungewöhnlich langen am Torso befestigten Armen entnahm sie gleich aus der heimischen Architektur – dem Heustadel. Die einst für das Heutrocknen verwendeten horizontalen Holzbalken verwandeln sich so an der Skulptur zu einer unendlichen Umarmung. In der herausgehauenen Nische darunter machen sich Szenen aus dem alltäglichen Leben breit, die von Cordue aus Papierskulpturen gebildet wurden und sich auf schelmische Weise präsentieren.

Das Wirkungsgeflecht beider Künstlerinnen entstand in einer ungewöhnlichen Ergänzung sowohl aus inhaltlicher, als auch formaler Sicht. Die in einer Reihe aufgestellten vier Figuren wirken monumental. Ihre frontale Aufstellung verleiht ihnen ikonenhafte Eigenschaften, die weite Umarmung schafft ein Gefühl der allumfassenden Sorge um den Erhalt der gesamten Welt. Auf den Gesichtern der Skulpturen zeigt sich ein sanftes Lächeln, das an archaische Statuen erinnert. Diese Ausdrucksform wiederspricht und steht dem einer Totenmaske gegenüber, wurde doch die Gesichtsmaske von lebenden Individuen abgenommen. Auch zeigt es lebendige und mit Wohlstand gesegnete Gesichter, vielleicht sogar in meditativ entrückter Glückseligkeit oder befriedigter Verwunderung ob der Offenbarung der Welt, wie man es aus der esoterischen Ikonografie der Tarotkarten Magier und Narr kennt. Diese seligen weiblichen Göttlichkeiten, die über den linearen Verlauf der Zeit hinaus zu reichen scheinen, wachsen aus dem Boden. Ja, eigentlich wachsen sie ganz profan aus einem Betonrohr, um exakt zu sein. Und auch die Arme hängen nicht unbedingt frei vom Holzstamm an aus dem Kopfbereich gespannten Seilen. Dies alles sind technologische Hilfsmittel, die nicht verbergen wollen, warum sie zur Verwendung kommen. Es ist eindeutig, dass die Skulpturen  den Betrachter nicht davon zu überzeugen versuchen, dass Göttlichkeit zu einer Realität geworden ist, zudem die verwendeten Materialien und die Stütz- und Hängekonstruktion eine humorvolle absurde Beigabe sind, die darauf hinweisen, dass man nicht alles, mitunter sogar das Leben nicht, zu Ernst nehmen darf und sich einige kritische Distanz bewahren muss. In der Bauchhöhle der Skulpturen haben Alltagsgeschichten ihren Platz gefunden. Die Bauchhöhle ist als aufrecht gestaltete Nische geformt, die an ein Zimmer in einem Haus erinnert. Auf der Hinterwand klebt eine Tapete mit graphischen Glückslinien von Personen, die von Cordue über ihr Leben befragt wurden. Im Zimmer spielt sich eine merkwürdige Szene ab, die lediglich eine karikierte Vorstellung darbietet, eine nahezu märchenhafte Vorführung eines Stereotyps. Entfernt tauchen Erinnerungen an bäuerliche Malereien auf Bienenstockbrettern auf. Die Lage dieser Szenen in den Skulpturen und auch die Frauengesichter und die weibliche Formen der Skulpturen können einen flüchtigen Betrachter zu Assoziationen von Fruchtbarkeit verleiten, aber in den Bauchhöhlen der Skulpturen wächst kein neues Leben heran, sondern es entstehen Geschichten aus vergangenem, gelebten Leben und neue Erfahrung für die Zukunft. In diesem Teil sind die Skulpturen mehr prometheushaft als mütterlich inspiriert und dem allgemeinen Empfinden nach Hermaphroditen.

Vasja Nagy

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